Eine kleine Geschichte des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel
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Prof. Dr. med. Ursula Ackermann-Liebrich
Leiterin des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin
der Universität
Basel 1988 - 2005 |
Die Medizinalprüfungsverordnung vom Dezember 1964 führte Sozial- und Präventivmedizin als Pflichtfach im Staatsexamen ein. Damit waren die medizinischen Fakultäten gezwungen, einerseits Lehre auf diesem Gebiet anzubieten und andererseits die Prüfungen zu organisieren. Bereits im Jahre 1963 wurde deshalb in Zürich das Institut für Sozial- und Präventivmedizin gegründet, gefolgt von Genf (1968), Lausanne (1969) und Bern (1971). Basel verzichtete vorerst auf die Schaffung eines eigenen Institutes und verlieh den Lehrauftrag an Prof. Dr. med. Günter Ritzel, Leiter des Schularztamtes des Kantons Basel-Stadt. Dieser bestritt die Vorlesungen und nahm Prüfungen ab. Sein Hauptforschungsgebiet betraf die menschliche Ernährung und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. Anfangs der Siebziger Jahre wandelte Prof. Ritzel eine Schularztstelle in eine Assistentenstelle um und schuf damit eine „Abteilung für Sozial-und Präventivmedizin der Universität Basel“.
Nach drei zweijährigen Assistententurni übernahm ich am 1. Januar 1978 diese Assistentenstelle. Infrastruktur oder Hilfsmittel waren keine vorhanden. Forschung fand in Zusammenhang mit dem Schularztamt statt. Vor allem die Basler Kindergartenstudie, welche in den frühen Siebziger Jahren durch Prof. Rudolf Bruppacher begonnen worden war, konnte erfolgreich fortgeführt und in den Neunziger Jahren abgeschlossen werden. Sie wurde ergänzt durch eine Untersuchung gleichaltriger ehemaliger frühgeborener Kinder aus dem Kinderspital. Dank diesen Nationalfondsgesuchen und sehr vielen Doktoranden wuchs die Abteilung beträchtlich. In den früher Achtziger Jahren begann mit Charlotte Braun-Fahrländer eine neue Ära der Forschung über die Zusammenhänge zwischen Luftschadstoffen und Gesundheit. Eine erste Studie in Basel, Zürich und Rafzerfeld konnte mit Prof. Hans-Urs Wanner vom Institut für Hygiene- und Arbeitsphysiologie der ETH Zürich durchgeführt werden. Das nationale Forschungsprogramm 26A (die Gesundheit des Menschen in der heutigen Umwelt: Physische Umwelt) eröffnete neue Chancen für die Sozial- und Präventivmedizin in Basel: Die beiden grossen Studien SCARPOL und SAPALDIA konnten (mit vielen andern Partnern) von hier aus organisiert, betreut und ausgewertet werden. Als Programmleiterin hatte ich ausserdem die Möglichkeit, qualifizierte Nachwuchswissenschaftler und -wissenschafterinnen als Adjunkten der Programmleitung zu beschäftigen (Dr. Nino Künzli, Dr. Elisabeth Zemp und Dr. Thomas Steffen). Zudem konnte das Institut mit Dr. Christian Schindler einen kompetenten Statistiker gewinnen, was für zukünftige Publikationen von nicht zu unterschätzender Bedeutung war.
Praktisch vom 1. Tag im Jahre 1978 war ich an der Lehre beteiligt, ab 1986 übernahm ich die gesamte Lehrkoordination und nach dem Tod von Prof. Ritzel im Jahre 1989 die gesamte Verantwortung für die Lehre und die Prüfungen. 1988 wurde die damalige Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin vom Schularztamt ins Sanitätsdepartement überführt, ich selbst wurde zur Leiterin dieser Abteilung ernannt und der Personalbestand wurde von der noch immer einzigen Assistentenstelle auf fünf Stellen erhöht. Dies gab erstmals die Möglichkeit, etwas freier zu forschen und zu arbeiten. Mit in diesem Personaletat war der Auftrag zur Einrichtung eines Gesundheitsförderungsprogrammes im Kanton Basel-Stadt, welches dann unter dem Namen „Gsünder Basel“ verwirklicht wurde und heute als eigenständiger Verein unabhängig vom Institut weiterlebt.
Im Jahre 1992 wurde die Abteilung Sozial- und Präventivmedizin verselbständigt und in ein Institut umgewandelt, gleichzeitig wurde die Stelle eines/r Ordinarius/Ordinaria geschaffen, auf welche ich im Jahre 1993 gewählt wurde, meines Wissens als erste Ordinaria der medizinischen Fakultät der Universität Basel. Gerade letzteres führte mit dazu, dass mir die akademische Förderung von Frauen ein Anliegen war - schon zu Beginn der achziger Jahre verfasste ich mit zwei Dissertantinnen ein Büchlein zu Laufbahnen von Aerztinnen. Aus diesen Erfahrungen und vor allem mit der Rückkehr von Elisabeth Zemp ans Institut im Jahre 1993 entwickelte sich Frauengesundheitsforschung und “Gender Health” zu einem weitern Schwerpunkt des Institutes.
Im Jahre 1991 konnte das Institut das neue Gebäude am Steinengraben 49 beziehen. Dieses war aber schon beim Bezug als Provisorium gedacht und räumlich knapp bemessen. Im Jahre 2002 dann wechselte das Institut vom Sanitätsdepartement in die nun eigenständige Universität, von der Universität erhielt es ein zusätzliches Gebäude für die dringend notwendige Erweiterung (Kanonengasse 27). Im Jahre 2003 wurde das Departement Public Health der Medizinischen Fakultät gegründet. Ihm gehören neben dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin das Institut für Nursing Sciences, das Institut für Angewandte und Medizinethik, das Institut für Geschichte und Epistemologie der Medizin, das Institut für Sport- und Sportwissenschaften, sowie das Schweizerische Tropeninstitut und das Institut für Klinische Epidemiologie als assoziierte Institute an.
Per Ende September 2005 bin ich aus meinem Amt als Institutsvorsteherin und als Vorsitzende des Departementes Public Health zurückgetreten, um die neu gegründete Swiss School of Public Health SSPH+ zu leiten. Professor Charlotte Braun-Fahrländer übernimmt die Leitung des Institutes bis zur Neubesetzung des Lehrstuhls.
Ursula Ackermann-Liebrich, Februar 2006
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